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„Mein Entwurf war besser“

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Der folgende Beitrag erschien ursprünglich in der OASE (Ausgabe 4/2019).
Fotos von Reginald Lloyd und Stefanie Langel

Zur Illustration empfehlen wir unbedingt, die spektakulären Filmaufnahmen vom Bau der Kirche anzuschauen und den Kirchenraum heute zu besuchen.

Von Andreas Blum

Ich möchte fast darauf wetten! Mag sein, dass Sie ihn nicht persönlich kennen, aber seine künstlerischen Arbeiten prägen unseren Kirchenraum in St. Bonifatius bis heute und laden uns bei jedem Gottesdienst zur Betrachtung ein. Der von ihm entworfene Ambo illustriert die Verkündigung im Sinne Jesu als Aussaat (Mt 13); die ehemaligen schmiedeeisernen Kommunionbänke an der Tabernakelwand greifen u.a. die Psalmen (Ps 42), die Hochzeit zu Kana (Joh 2) und die Passion (Mk 15) auf; und von hinten fällt sanft Sonnenlicht durch das große Pfingstfenster (Apg 2) und wirft ein buntes Farbenspiel an die weißen Seitenwände. Arbeiten von Reginald James Lloyd.

Als ich Urlaub in North Devon machte und erfuhr, dass Mr. Lloyd weiterhin in Bidefort lebe, rief ich kurzerhand an und schon hatten wir eine Verabredung. Von der Straße führte eine steile, verschlungene Auffahrt durch einen wuchernden Garten, der an seinem Ende den Blick auf ein großartiges altes Herrenhaus mit viel Patina freigab. Seine Frau Louise begrüßte uns, und wir wurden sogleich in das Atelier geführt, wo Mr. Lloyd uns bestens vorbereitet schon erwartete.

Seit seinem Schlaganfall sitzt der heute über 90 jährige in einem Rollstuhl, doch der Werkraum verrät schon auf den ersten Blick, dass sein Schaffensdrang und seine Kreativität weiterhin lebendig sind. „Ich kehre eher wieder zurück zu den Anfängen“, so sagt er, und zeigt auf zahlreiche Variationen abstrakter Wasserfälle in den Ölfarben grün und blau.

Reginald Lloydim Gespräch im Pfr. Andreas in seinem Atelier (2018)

Den tatsächlichen Anfang bringt er mit einer Geschichte aus dem Kindergarten zusammen. Die Kinder sollten einen Vogel im Nest malen. Während fast alle anderen, detailgetreu einen Baum, ein Nest und einen Vogel zeichneten, ließ er einfach den Stift kreisen, bis sich Nest und Vogel in den vielen Linien wie von selbst abzeichneten. „Extraordinary“, hätte die Lehrerin gesagt.

Doch vor dem Künstler kam der Postbote. Aus dem Krieg zurückgekehrt verdingte sich der junge Reginald in dem er jeden Morgen in Exeter auf einen 14 Meilen Tour Briefe austrug. Erst abends war Zeit für die Kunst. Später sollte er auch 1 Term dieses Fach studieren, aber „das reichte dann auch für das Wesentliche“. Er sah sich eher handwerklich begabt, malte daher nicht nur, sondern arbeitete auch mit Holz, Metall und Glas.

Seine erste Frau Diana, eine überzeugte Katholikin, lernte er kennen, als sie beide in einem kleinen Saal der örtlichen Gemeine Bilder ausstellen durften. Er selbst bezeichnet sich nicht als besonders religiös. Das Alte Testament sei ihm näher als das Neue. Und obwohl Jesus historisch verbrieft sei, habe er an ihm und Gott seine Zweifel. Aber über seine Frau gab es eine Brücke zur Religion – und schließlich auch zu St. Bonifatius in Whitechapel.

Nach den Ideen und Vorgaben von Pater Felix Leushacke, entwarf er neben den eingangs bereits genannten Werken, auch die Kanzel und die Tabernakelleuchte für das Ewige Licht. Selbst für das Altarbild hatte er einen Vorschlag gemacht. Doch diese Arbeit wurde dann Heribert Reul aus Kevelaer übertragen. „Meine Idee war besser“, ist Reginald Lloyd noch heute überzeugt.

St. Bonifatius in dem nicht realisierten Entwurf von Reginald Lloyd

Zusammen mit einem benachbarten Schmied stellte er viele Einzelteile in den Werkstätten in Bidefort her, um sie dann erst in Whitechapel zusammenzufügen. Daher habe er den Bau und die Einrichtung von St. Bonifatius nicht so aufmerksam verfolgen können, wie ihm das andernorts möglich war.

Wenn er heute auf die Kirche und seine Werke schaut, dann bedauert er sehr, dass nach der Liturgiereform die Kanzel verschwunden ist. Auch mit seinen Metallarbeiten hadert er ein wenig. „Sie sind so statisch. Ich stelle mir immer wieder vor, dass man das auch anders und besser hätte machen können.“ Aber von seinem farbenfrohen Pfingstfenster ist er weiterhin begeistert.

Inzwischen hat Louise Tee und Gebäck gebracht. Die Teekanne ist vom Sohn getöpfert, denn die künstlerische Begabung, so Reginald Lloyd, ist auch auf Kinder und Enkel übergegangen. Doch dann vertiefen wir uns auch schon wieder in den Ordner mit den zahlreichen Entwürfen, Artikeln und Fotos seiner eigenen Zeit in St. Bonifatius. Als Louise uns schließlich an der Tür verabschiedet, raunt sie uns noch zu: „Er freut sich, wenn sich auch heute noch jemand für seine Arbeiten interessiert.“ Das tun wir Mr. Lloyd. Und mehr noch: Wir danken Ihnen für die inspirierende Kunst in unserer Kirche.

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