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Kraftort Kloster

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Von Martin Horwath OCSO

Menschen fragen mich manchmal:  Wie wurdest du Mönch und warum gerade in England und nicht in deiner deutschen Heimat? Meine Antwort ist stets: Eine Liebesgeschichte. Die Liebe zum Schöpfergott der Christen, zu Menschen und zu England. 

Mönche sind immer Suchende.  Bevor ich meine wahre Berufung, die des Mönches fand, war ich als Fotograf weltweit ständig auf Motivsuche, nicht nur im Außen, sondern auch im Innern, wer ich sein soll.  Ich verspürte den Drang, Gottes persönliche Handschrift in meinem Leben zu entdecken. Glücklicherweise fand ich meinen Sinn im Leben mit 33 Jahren. „Gutes Alter“, sagte mir ein Mönch damals, „Jesus starb mit 33 Jahren“. Darum ist für mich das wichtigste Gleichnis Jesu „Der Schatz im Acker“: „Mit dem Himmel-reich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“ Ich bin wie dieser Mann. Ich fand den Acker namens „Tynt Meadow“ auf dem Mount Saint Bernard Abbey steht und wo ich mittlerweile mein halbes Leben höchst zufrieden verbracht habe. Dieser Ort ist zu mei-ner zweiten Heimat geworden.

Viele Menschen die zu uns kommen, fühlen sich von dem ruhigen Klosterleben, der Spiritualität, der Geschichte der Mönche und der Beständigkeit des Ortes angezogen. Mitten im Herzen Englands, den Midlands, liegt eingebettet in einer von der Eiszeit stark geprägten Landschaft unser schönes Kloster; von den Großstädten Nottingham-Leicester-Bimingham ringsum  leicht zu erreichen. Unsere Abtei gehört dem Orden der Zisterzienser der streng(er)en Observanz (auch als Trappisten bekannt) an, und wir folgen der Klosterregel des Heiligen Benedikt. International sind Häuser unseres Ordens mittlerweile auf allen Kontinenten vertreten.        

Das Kloster als Ort für das Studium der Heiligen Schrift

In den 1840er Jahren stand unsere frisch gegründete Kommunität vor großen Herausforderungen. Die Industrielle Revolution war jung und energiegeladen. Viele verarmte Iren (Kartoffelhungersnot) und Landflüchtige kamen zum Arbeiten in unsere Gegend. Die Not war himmel-schreiend. Zehntausende Arme mus-sten jährlich mit kräftigen Suppen und den nötigsten Lebensmitteln im Umland versorgt werden. Durch diesen Liebesdienst und viele Gebete hat sich unser Kloster sehr schnell in die überwiegend anglikanisch-protestantische Gesellschaft eingefügt.

Bis heute werden alle Menschen, die bei uns anklopfen, immer freundlich in unserem Kloster begrüßt. Und jeder findet in unserem Gästehaus auf Wunsch ein Plätzchen. Für viele Nigerianer in England sind wir auch zu einem inoffiziellen Wallfahrtsort geworden, da mit Blessed Cyprian von 1950 bis zu seinem frühzeitigen Tod am 20. Januar 1964 auch ein nigerianischer Priester zu unserer Kommunität ge-hörte, der 1998 von Papst Johannes-Paul II. seliggesprochen wurde.

Bei meinem Klostereintritt bin ich der einzige gewesen, dessen Muttersprache nicht Englisch war. Inzwischen spiegelt sich die Internationalität, wie in vielen anderen religiösen Kommunitäten weltweit, auch bei uns stark wider. Von 16 Mönchen hier sind mittlerweile die Hälfte „Reingeschmeckte“, wie man im Schwäbischen sagt. Das macht unsere Kommunität modern, dynamisch und vielseitig.

Bruder Martin im Kreis von Freunden

Unser Kloster ist auch über soziale  Netzwerke Kraftort und -quelle für unzählige Menschen geworden. Sogar für Menschen, die mit Religion eigentlich nichts am Hut haben. Unsere Klosteranlagen ernten dabei viel Lob. Die schlicht eingerichtete Klosterkirche lädt zum persönlichen Gebet ein. Der gut sortierte und beliebte Klosterladen bedient viele Geschmäcker. Vom Honig unserer Bienen, über viele religiöse Artikel bis zu Töpferwaren, die hier schon seit 1947 von Mönchen in der hauseigenen Töpferei hergestellt werden, können Gäste und Besucher immer etwas finden. Unsere neueste Attraktion ist das erste echte englische Trappisten-Bier: „Tynt Meadow“ – benannt nach dem Acker, auf dem das Kloster bis heute steht. Nachdem unsere Milchfarm jahrzehntelang nicht mehr rentabel war, verbindet deren Ersatz, unsere Brauerei, nun Tradition mit Moderne.

Der weltweite Mangel an Klosternachwuchs macht sich leider auch bei uns bemerkbar. In den letzten 30 Jahren sind wir von 41 auf 20 Mönche geschrumpft. Das tut aber unserer Überzeugung an der Sache keinen Abbruch. Das gefällt mir am Mönchsein: Nie wird die Hoffnung aufgegeben. So Gott will, können wir 2035 auf 200 Jahre bewegte Klostergeschichte zurückblicken.

Vor einigen Jahren ist eine Dokumentation über unser Leben für das Kino gedreht worden: „Outside the City“. Die Eröffnungszene wirft einen Panoramablick von unserem Kirchturm auf die Kühltürme des nahegelegenen Kraftwerks Radcliffe, welches bald stillgelegt werden soll. Kloster Mount St. Bernard hingegen bleibt Kraftort solange es Berufungen, Beter und Besucher gibt.

Kloster Mount St. Bernard
Oaks Road, Coalville , LE67 5UL, UK
www.mountsaintbernard.org

Tynt Meadow
www.msbtrappist.co.uk

 

Wir zeigen den Film „Outside the City“ am 29. Juni  um 19.15 Uhr im Wynfrid House. Vor dem Film kann man in der Messe um 18.00 Uhr mit den Psalmen der Vesper eine eigene kleine Erfahrung mit dem Stundengebet der Mönche machen. Und wer weiß, vielleicht wird zur Belohnung beim Film auch ein Original Tynt Meadow gereicht …

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