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Gegen das Gerümpel des Alltags

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Text: Anke Stüber
Foto: Marin Horwarth OCSO

Wenn ich loslasse, was ich bin
werde ich, was ich sein könnte.
Wenn ich loslasse, was ich habe,
bekomme ich, was ich brauche.
(Lao Tse)

Der durchschnittliche europäische Haushalt besitzt 10.000 Dinge. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass auch wir diese Sachen haben, die irgendwo schlummern, sich in verborgenen Ecken ansammeln, nicht mehr genutzt werden, die einfach zu viel sind oder unerledigt, ungeliebt. Sie belasten uns mehr als wir von ihnen profitieren. Sie nehmen Raum ein, binden Energie. Das ist gemeint mit Gerümpel. Um was es sich im Einzelnen handelt, muss man für sich selbst herausfinden. Dazu ist ein Ausmisten oder nennen wir es eine Inventur nötig – ein kritisch-wohlwollendes unter die Lupe nehmen.

Entrümpeln bedeutet Ballast abwerfen, Loslassen, die Seele befreien, sich fokussieren – Fasten. Die innere und die äußere Welt hängen zusammen, sie spiegeln sich. Wenn wir also unser Zuhause verändern, dann kann das Auswirkungen auf unser Inneres haben. Es geht ja nicht nur um Ausmisten und Ordnung machen. Sondern um die Frage, ob ich mich wirklich mit all diesen Dingen umgeben will. Brauche ich sie? Sind sie nützlich? Wann habe ich sie das letzte Mal genutzt? Gefällt es mir überhaupt noch? Und hier kommt für mich Marie Kondo und ihre Hauptfrage ins Spiel: Macht mich der Gegenstand glücklich? Und klar, es gibt Dinge, da ist die Frage

Frage überflüssig, die machen einen nicht wirklich glücklich, aber man braucht sie, etwa einen Flaschenöffner oder eine Toilettenbürste. Wenn ich aber selbst nicht genau weiß, ob ich etwas behalten will oder nicht, dann finde ich diese Frage sehr hilf-reich. Erinnerungsstücke haben da sicher einen Sonderstatus, aber auch sie sollten mit positiven Gefühlen verbunden sein. Hier bietet sich eine Erinnerungskiste an, um sich zu begrenzen oder die Sachen abzufotografieren und ein Album zu erstellen.

Schön bunt, aber nicht immer hilfreich © Pixabay

Zu Beginn nicht zu viel von sich erwarten oder sich überfordern, sondern mit etwas anfangen, was leicht fällt, also eher überschaubar und mit wenig Emotionen verbunden ist, z.B. dem Apothekerschrank. Mit den Badschränken kann man dann gleich gut weitermachen. Es lohnt sich übrigens einen Schrank wirklich komplett leer zu machen, beim Einräumen auszusortieren und den Überblick zu haben. So geht es Stück für Stück vorwärts. Schrank für Schrank, Raum für Raum. Immer nur so viel vornehmen, wie man in der zur Verfügung stehenden Zeit schaffen kann. Auch in kleinen Schritten kommt man ans Ziel, es wird übersichtlicher. Das schafft Raum und gibt uns Zeit, weil uns Sachen nicht mehr binden. Und wenn man die Sachen verschenkt, kann man auch noch Gutes tun und Freude bereiten.

Gerümpel findet sich aber nicht nur in Abstellkammern, in Schränken, auf dem Schreibtisch und in den Ecken, wo es nicht so auffällt. Gerümpel gibt es auch im Körper: Stichwort Detoxing, gesunde Ernährung. Oder geistiges  und emotionales Gerümpel: Unerledigtes, Kommunikationsprobleme, Streit, Stress, Groll, belastete Beziehungen, aufgeschobene Korrespondenz, ein überfüllter Terminkalender. Auch hier lohnt ein genauer Blick und das Loslassen von Dingen, die einem nicht gut tun. Das kann das ein oder andere Mal schmerzlich sein und ist sicher nicht immer leicht, aber danach geht es einem besser.

Das Ziel ist keine blitzsaubere ordentliche Wohnung und eine leere To-Do-Liste. Das Ziel ist, sich selbst in dem ganzen Gerümpel des Alltags wieder zu entdecken, sich besser kennenzulernen, sein inneres Chaos zu ordnen, in der Gegenwart anzukommen, sein Gleichgewicht wieder zu finden und sein Leben zu gestalten. Einfach alles auf den Prüfstand zu stellen, Bewusstsein zu schaffen, wenn nötig umzukehren, sich zu besinnen, frei zu werden für mich selbst und auch für Gott.

Und was mache ich jetzt? Ich gehe an meinen Kleiderschrank, nehme die neuen Hosen und bringe sie zum Kürzen und dann durchforste ich meine vielen vielen Fotos…

 

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