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Fasten im Sinne der Bibel

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Foto: Marin Horwarth OCSO

In der Bibel ist Fasten grundsätzlich ein Verzicht auf Essen und Trinken; ganz selten ist auch sexuelle Enthaltsamkeit gemeint. Es geht um eine Zurücknahme der eigenen Person, die aber nie Selbstzweck sein kann. Sie ist immer ausgerichtet auf ein „frei-werden für“ etwas anderes. Sehr schön deutlich wird das in den kultischen Vorschriften des Volkes Israel, die allein am Jom Kippur (Versöhnungstag) ein rituelles Fasten vorschreiben. Gott schenkt an diesem Tag Vergebung und Versöhnung – voraussetzungslos. Die Menschen können es nicht verdienen, sondern nur annehmen. Ihr Fasten hat also nicht die Funktion einer Sühne, sondern die einer Öffnung für das Geschenk Gottes.

Was so leicht klingt, fällt meist recht schwer. Zumindest fanden die Propheten im Alten Testament immer wieder Grund, die Fastenpraxis des Volkes auch scharf zu kritisieren. Vor allem dann, wenn sich bestimmte Erwartungen an ihr Fasten knüpften: „Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum haben wir uns gedemütigt und du weißt es nicht?“ (Jes 58,3), klagen die Menschen, wenn sie sich nicht ausreichend belohnt sehen für ihre Fastenopfer. Ein grobes Missverständnis, das Gott zum feilschenden Händler und das Fasten zur manipulierenden Währung degradiert, und das hier gleichsam in dem Vorwurf mündet, Gott funktioniere nicht, komme seiner Verpflichtung nicht nach.

Demgegenüber bestehen die Propheten darauf, dass das Fasten mit einem echten Lebenswandel einhergehen muss. Sich Gott zuzuwenden, dem Mitmenschen aber zu verweigern, führt jedes Fasten ad absurdum. „Ihr macht Geschäfte an Fasttagen, treibt alle eure Arbeiter an, es gibt Zank und Streit, ihr schlagt zu mit roher Gewalt. … Nennst du das ein Fasten?“ (Jes 58,3-5). Erst wenn das Fasten von jeglicher Ichbezogenheit und Selbstsucht wegführt und ein wirklich mitmenschliches Verhalten ermöglicht, ist es im Sinne Gottes.

Das berühmte Meditationsbild von Bruder Klaus © Bruder Klaus Sachseln

Ganz konkret werden schon im Alten Testament acht Tätigkeiten genannt, die dann auch als die acht Werke der Barmherzigkeit in unsere Kirchenge-schichte eingegangen sind (z.B. Rad von Bruder Klaus): aus Unrecht befreien, Stricke des Jochs entfernen, Versklavte freigeben, jeden Zwang aufheben, Brot an Hungernde verteilen, Obdachlose ins Haus aufnehmen, Nackte bekleiden, sich den Verwandten nicht entziehen (Jes 58,6f). Die ersten vier Werke haben alle mit Befreiung aus knechtenden Verhältnissen zu tun, die anderen vier damit, Bedürftigen beizustehen und ihnen das zum Leben Fehlende zu geben: Lebensmittel, Unterkunft, Kleidung, Nähe.

Jesus verschärft diese prophetische Rede über das Fasten dahingehend, dass er sie sogar zum Maßstab seiner Gerichtsvorstellung macht (Mt 25,31ff). Abstinenz hingegen schreibt er seinen Jüngern an keiner Stelle vor, lehnt das Fasten im Hinblick auf die mit ihm anbrechende Heilszeit sogar ausdrücklich ab (Mk 2,19), und wird dafür „Fresser und Säufer“ genannt (Mt 11,19). Fasten entspricht für Jesus einer inneren Haltung, die nicht äußerlich zur Schau gestellt werden muss, sondern die tragfähige Beziehungen zu Gott und Menschen ermöglicht.

Die Fastenkritik Jesu spiegelt sich auch noch bei den ersten Christen deutlich wider. So wird das Fasten in den Paulusbriefen fast gar nicht erwähnt. Doch

schon wenige Jahr-zehnte später will man anderen Religionen und ihren Fastenanstrengungen nicht nachstehen und führt den Mittwoch und Freitag als Fasttage ein („Zwölf-Apostel-Lehre, um 100 n.Chr.). Sukzessive kommen in den nächsten Jahrhunderten am Karfreitag ein zwei-tägiges Trauerfasten, dann die ganze Karwoche und letztlich die 40-tägige Fastenzeit hinzu. Immer mehr und weitreichendere Fastenvorschriften führten schließlich zu einem derart skrupulösen Verhalten, dass das Zweite Vatikanische Konzil dem mit der Festlegung auf nur noch zwei Fast- und Abstinenztage (Aschermittwoch und Karfreitag) Einhalt gebot. Empfohlen werden an diesen Tagen eine fleischlose Hauptmahlzeit und zwei kleine Stärkungen, der Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten, sowie begleitend Gebet und Spenden.

Am Ende aber zählt auch hier nicht die buchstabengetreue Erfüllung des Gesetzes, sondern eine Enthaltsamkeit ichbezogener Interessen, die im Sinne von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Wunden heilt und die in einem solidarischen Akt auf die eigene Stärkung zugunsten Schwächerer verzichtet. Ein so verstandenes Fasten führt auf allen Seiten zur Erfahrung von Gottes Nähe und Beistand. Angebracht wäre es eigentlich an jedem einzelnen Tag des Jahres. In den Fastenzeiten lässt es sich bewusst einüben.

 

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