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Der Synodale Weg der Diözesen Deutschlands

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Von Maria Lohre

Vielleicht –oder vielleicht auch nicht – haben Sie schon mal in den vergangenen Monaten oder Wochen in den Medien, vor allem in katholischen Medien, von dieser eigenartig klingenden Bezeichnung eines Synodalen Weges gehört, aber nicht weiter nachgeforscht, was sich dahinter verbirgt.   

Schon das erste Wort „synodal“ verlangt nach einer Begriffsklärung. Synodos in seiner ursprünglichen Wortbedeutung heißt „Versammlung “ oder etwas weiter gefasst „gemeinsam auf dem Weg…“

Wer also gehört zu dieser Versammlung, die sich „Synodaler Weg“ nennt und zu welchem Ziel sind die „Weggenossen“, d.h. Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) sowie weitere Vertreter aus verschiedenen Gemeinschaften und Gruppen in der katholischen Kirche, gemeinsam unterwegs? Was treibt sie an?

Dazu ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des Synodalen Weges:

  • Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im März 2019 in Lingen (Emsland) einen Synodalen Weg für die katholische Kirche in Deutschland beschlossen, den sie zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gehen will. Hintergrund dieser Entscheidung der Bischöfe sind vor allem die Ergebnisse der MHG-Studie zur Erhebung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche (benannt nach den Instituten in Mannheim, Heidelberg, Gießen, die sie erarbeitet haben). Diese Studie war von der Bischofskonferenz in Auftrag gegeben worden; ihre Ergebnisse wurden im September 2018 vorgestellt.
  • Brief von Papst Franziskus

Am 29. Juni 2019 schreibt Papst Franziskus im Hinblick auf den Synodalen Weg einen Brief, der sich „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ wendet und in dem er seine Sorge um die Zukunft der Kirche in Deutschland zum Ausdruck bringt. Dort heißt es:

 „Ich stelle gemeinsam mit euch schmerzlich die zunehmende Erosion und den Verfall des Glaubens fest … Um dieser Situation zu begegnen, haben Eure Bischöfe einen synodalen Weg vorgeschlagen, … einen, synodos, einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes. Das aber bedeutet, sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche …. (und Sorge zu tragen) für die Beteiligung der Laien. So ist es nicht möglich, eine große Synode zu halten, ohne die Basis in Betracht zu ziehen… Nur so gelangen wir in Fragen, die für den Glauben und das Leben der Kirche wesentlich sind, zu reifen Entscheidungen. Möglich sein wird das unter der Bedingung, dass wir uns auf den Weg machen, gerüstet mit Geduld und der demütigen und gesunden Überzeugung, dass es uns niemals gelingen wird, alle Fragen und Probleme gleichzeitig lösen zu können“.

  • Satzung des „Synodalen Weges

Am 25. September 2019 beschließt die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz die Satzung für den „Synodalen Weg“, die vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken auf ihrer Vollversammlung Ende November 2019 angenommen wird. DBK und ZdK sind die beiden tragenden Säulen eines auf zwei Jahre angelegten Prozesses, für den es so kein Modell gibt. Formen und Stil müssen Schritt für Schritt gemeinsam gefunden werden. Die Präambel der Satzung benennt den Grund für diesen ungewöhnlichen und sicher auch nötigen Weg:

„Die Katholische Kirche in Deutschland macht sich auf einen Weg der Umkehr und der Erneuerung. Wir stellen uns der schweren Krise, die unsere Kirche, insbesondere durch den Missbrauchsskandal, tief erschüttert. Wir setzen auf das große Engagement aller, die in der Kirche aktiv mitarbeiten… In den Mittelpunkt stellen wir die Frage nach Gott und dem Weg, den er heute mit den Menschen gehen will. Wir sehen, dass es für viele Menschen die Kirche selbst ist, die das Bild Gottes verdunkelt. Wir setzen auf die Kraft des Heiligen Geistes, die Kirche zu erneuern, so dass sie Jesus Christus als Licht der Welt glaubwürdig bezeugen kann“.

  • Anzahl und Zusammensetzung der Mitglieder des „Synodalen Weges“

Der Synodalversammlung gehören an:

  1. 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz
  2. 69 Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken
  3. 10 Vertreter /-innen der Orden
  4. 27 Vertreter der diözesanen Priesterräte
  5. 15 junge Menschen unter 30 Jahren
  6. 4 ständige Diakone
  7. jeweils 4 Vertreter/-innen der Pastoralreferenten/ -innen und der Gemeindereferenten/-innen
  8. 3 Vertreter/-innen des Katholisch-Theologischen Fakultätentages
  9. 3 Vertreter/-innen aus Neuen Geistlichen Gemeinschaften
  10. 2 Generalvikare
  11. Jeweils 10 katholische Männer und Frauen, die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken benannt werden.

Die Synodalversammlung (230 Mitglieder insgesamt) ist das oberste Organ und fasst die Beschlüsse. Die Mitglieder der Synodalversammlung haben gleiches Stimmrecht. An der Zusammensetzung der Delegierten wird sichtbar, wie breit die Synodalversammlung aufgestellt ist.

  • Themenkreise des „Synodalen Weges“

Die inhaltliche Arbeit des „Synodalen Weges“ geschieht in den sogenannten Synodalforen, in denen vier große Themen Gegenstand der Beratungen sind:

  • Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag
  • Priesterliche Existenz heute
  • Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche
  • Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft

Der Beginn des „Synodalen Weges“ war offiziell am 1. Advent 2019 und wurde mit einem Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom eröffnet.

Die 1. Synodalversammlung mit 230 Teilnehmern und 25 Beobachtern aus verschiedenen Institutionen und dem benachbarten Ausland fand vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 in Frankfurt statt. – Die Corona-Pandemie hat jedoch die weitere Planung auch für die Treffen der Mitglieder in den verschiedenen Synodalforen ziemlich durcheinandergewirbelt. Es musste vorwiegend Online gearbeitet werden.-

Die 2. Synodalversammlung fand am 4./5. Februar 2021 als Online-Konferenz statt. Sie ist ein Zwischenschritt für eine substanzielle Weiterarbeit in den vier thematischen Synodalforen. Ziel ist es außerdem, die Eindrücke der Beobachter/-innen aus dem Ausland und der Ökumene intensiver wahrzunehmen. – Ob die für den Herbst geplante Synodalversammlung physisch stattfinden kann oder virtuell sein wird, hängt von den Corona-Bedingungen ab. Ursprünglich sollte der Synodale Weg im Oktober 2021 beendet werden, was nach dem Stand der jetzigen Planung auf Februar 2022 verschoben ist. –

Der Synodale Weg – ein Weg ins Ungewisse – ist für die einen ein Grund zur Hoffnung, für die anderen Anlass zu extremer Sorge. Synodalität aber geschieht im Zusammenspiel von Hirten und Volk Gottes, wie Papst Franziskus immer wieder betont. Entscheidend ist das gemeinsame Hören auf das, was der Geist Gottes in der Kirche bewegt und bewegen will. Einander in Respekt zuhören, im Dialog bleiben auch bei unterschiedlichen Standpunkten und großen Meinungsverschiedenheiten. Solche Diskussionen sind mühsam, aber notwendig. Dieser außergewöhnliche Weg, den die katholische Kirche in Deutschland eingeschlagen hat, ist ein Experiment, denn die dort gefassten Beschlüsse müssen in drei Kategorien gefasst werden: Was kann in Deutschland umgesetzt werden? Was ist dem Papst vorzulegen? Was kann nur ein Konzil entscheiden? –

Es ist nicht unwichtig, dabei auch kritisch auf den Synodalen Weg zu schauen und die Stimmen ausländischer Beobachter anzuhören. Der Bischof von Kopenhagen äußerte in einem Interview dazu: „Ich meine, es ist schwer, wenn man innerhalb derselben Kirche bei wichtigen Themen so tiefgreifende Veränderungen anstrebt, die zum Teil das Fundament der Kirche betreffen. Da wird es schwierig zu sehen, wie solche Unterschiede in der Praxis ausgelegt und bewältigt werden können. Deswegen meine ich, dass man den Ausgangspunkt in der Lehre und Tradition der Kirche sehen sollte, wie man den unbedingt relevanten Herausforderungen entgegentreten kann und zudem heute den Menschen nahebringen kann, was die Kirche will“.

Dr. Thies Gundlach, einer der drei theologischen Vizepräsidenten des Kirchenamtes der EKD und Beobachter beim Synodalen Weg, sprach von einem “Eingriff am offenen Herzen“. Das ist nicht ohne Risiko! Aber warum sollten nicht gerade das Bemühen um eine Haltung der gegenseitigen Liebe und das Vertrauen auf Gott etwas Großes und Unerwartetes ermöglichen?

Der Synodale Weg ist und muss ein geistlicher Weg bleiben, den es lohnt zu begleiten – in der Presse, auf der Website und vor allem mit dem Gebet.

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