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Der Heilige Nikolaus: Ein Geschenk für die Kinder

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Ob bei einer Taufe, einer Hochzeit oder einer Beerdigung, wann immer ich die Stola über dem Talar trage, die mir Nachbarn und Geschäftsleute aus Bensberg bei Köln zur Priesterweihe geschenkt haben, ist St. Nikolaus, der Patron meiner Heimatgemeinde, mit dabei. Seit Kindertagen begleitet mich dieser „Superheilige“, wie er aufgrund seiner zahlreichen Legenden und Volksbräuche auch schon mal genannt wurde, und regt immer wieder zum Nachdenken an.

Heute wissen wir, dass sich in der Tradition des Hl. Nikolaus zwei historische Persönlichkeiten aus Kleinasien (Türkei) unentwirrbar verknüpft haben. Prägend war der Bischof von Myra, der 270 geboren wurde und am 6. Dezember 343 starb; hinzu kamen aber auch Legenden eines anderen Nikolaus, der im 6. Jhd. nach Christus lebte und Bischof von Pinora war. Gemeinsam ist allen Geschichten, dass sie einen gerechten Mann zeigen, der meist unerkannt Notleidende beschenkt, und sich nicht zuletzt auch den Kindern zuwendet.

Wie oft habe ich früher vor dem mächtigen Bild in unsere Kirche gesessen, dass den Bischof Nikolaus vor einer Wanne mit drei Jungs zeigte: Ganz klar ein Heiliger für uns Kinder! Erst viel später erfuhr ich die ganze Geschichte, wonach die drei Knaben einem grausamen Metzger in die Hände gefallen waren, der sie getötet und in einem Pökelfass aufbewahrt hatte, bevor der Hl. Nikolaus sie wieder zum Leben erweckte. Eine Trost- und Auferstehungsgeschichte für Eltern in Zeiten hoher Kindersterblichkeit. Für mich als Kind plantschten damals allerdings nur drei andere Kinder fröhlich im Wasser.

 

Nikolaus-Bild in der Pfarrkirche von Bensberg
Nikolaus-Stola von Margarete Lücke (Ausschnitt)

Und diese kindliche Fröhlichkeit spiegelte sich auch bei uns Zuhause, wenn am Vorabend des Nikolausfestes die Schuhe geputzt und aufgestellt wurden, in der freudigen Erwartung, sie am nächsten Morgen mit Süßigkeiten und Geschenken gefüllt zu sehen. Ursprünglich hatten Eltern nicht nur das heimliche Schenken vom Nikolaus übernommen, sondern die Geschenke auch wie er durch ein offenes Fenster ins Haus geworfen. Um Zank zu vermeiden, erwiesen sich später jedoch Behältnisse, die einzelnen Kindern zugeordnet werden konnten, als hilfreich. Mehr als die zum Trocknen aufgehängten Strumpfhosen am Kamin oder die Holzschuhe vor der Tür kamen dafür im Mittelalter allerdings nicht in Frage.

Nicht jedem gefiel die Schenkerei. Martin Luther wetterte gegen die Heiligenverehrung und nennt das Nikolausschenken abfällig „ein kindisch Ding“. Doch aller Spott und alle Verbote halfen nicht. Um der Beliebtheit des Nikolaus etwas entgegenzusetzen, sah sich Luther am Ende gezwungen, ihm das Schenken zu nehmen und es auf Weihnachten zu übertragen. So wurde, was bis dahin ausschließlich in der Kirche gefeiert wurde, nun zu einem Familienfest mit einer neu geschaffenen Schenkfigur: dem sogenannten Christkind. 

Weitere Aneignungen und Entstellungen erfuhr der Hl. Nikolaus, als er durch die Niederländer, die ihm auch als Protestanten die Treue hielten und sich bis heute an „Sinterklaas“ bescheren, nach Nordamerika kam. Dort nahmen ihm die Engländer seine traditionell braun-grüne Kleidung und steckten ihn in den rot-weißen Rock ihrer Kolonialtruppen. Nun war es auch bis zum „Weihnachtsmann“ nicht mehr weit, dem vor allem Coca-Cola bis heute zu Weltruhm verhalf.

Um dem Niedergang vom Heiligen zum Werbeträger nicht tatenlos zuzuschauen, ruft das katholische Bonifatiuswerk seit 2002 zur Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ auf. Mit dem Slogan „Echt gut.“ soll ein Zeichen für den „echten“ Nikolaus gesetzt werden. In diesem Jahr ist der offizielle Startschuss für den 2. Dezember in Augsburg geplant, bei der zur Flucht gezwungene Kinder den Hl. Nikolaus als Brückenbauer für den Frieden erleben sollen. Aber damit Augsburg nicht der einzige „Tat.Ort.Nikolaus“ bleibt, unterstützt das Bonifatiuswerk auch zahlreiche andere kleine Aktionen, die die Botschaft dieses Heiligen in unserer Zeit sichtbar machen, mit Schokoladen-Nikoläusen und Geldspenden. Dadurch soll er als Patron der Kinder und Armen wieder ins Bewusstsein gebracht und lebendig gehalten werden.

Auch meine Stola erinnert mich jedes Mal an den Nikolaus. Wie auch der kleine Dankeschön-Brief, den ich vor bald 30 Jahren von einer Grundschülerin erhielt, in deren Klasse ich gut verkleidet den Nikolaus gespielt und kleine Geschenke verteilt hatte. Als ich mit den Worten abwehrte, ich sei doch gar nicht der Nikolaus, entgegnete sie bestimmt: „Doch. Du warst es. Ich habe dich am Parfüm erkannt“.

Merke: Beim Nikolaus kommt es auf jede Kleinigkeit an.

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