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Danke, Fr Francis!

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von Angelika Libera

Mit Angst und Tränen in die Zukunft

10,000 jüdische Kinder wurden vor den Nazis nach England in Sicherheit gebracht. Eines der Kinder war Father Francis Wahle, der am 10. Januar 1939 mit seiner Schwester Anna aus Wien nach London kam.

Jeder, der mit Father Francis Messe feiert, kennt sein heiteres und ausgeglichenes Gemüt und die freundliche Offenheit, mit der er auf die Menschen zugeht. Sein Leben nahm in friedlicher und komfortabler Weise seinen Anfang, wie er es selbst beschreibt. Er verbrachte die frühe Kindheit in Wien, in einer liebevollen und behütenden Familie. Sein Vater war Jurist, der mit 20 Jahren zum katholischen Glauben konvertierte und regelmäßig mit dem kleinen Franz und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Anna den Gottesdienst in der Hofburgkapelle feierte.  Franz besuchte die katholische Schule, spielte Klavier und wollte Wissenschaftler  werden.

Der Einmarsch deutscher Truppen in Österreich bedrohte die Existenz der Familie, die von den Nazis als „Volljuden“ eingestuft wurde, da alle vier Großeltern jüdischer Herkunft waren. Franz wurde von der katholischen Schule gewiesen und nahm mit Erstaunen zur Kenntnis, dass er in den Augen der Nazis nicht als Christ galt. Der Vater schlug zunächst aus Loyalität zu seiner Heimat Möglichkeiten aus, die Familie ins Ausland zu retten. Nach der Reichskristallnacht im November 1938 wurde den Eltern jedoch das Ausmaß der Bedrohung durch die Nazis bewusst und die Mutter bemühte sich, für Franz und Anna einen Platz in einem der Kindertransport zu sichern.

Am 10. Januars 1939 war es dann so weit und die Eltern brachten die Kinder zum Westbahnhof. Die Gestapo hielt alle Eltern jedoch davon ab, die Kinder bis zum Bahnsteig zu begleiten, da sie keine verzweifelten Szenen wollten, die den Ernst der Lage anschaulich gemacht hätten. So musste der neunjährige Franz seine sechsjährige Schwester allein zum Zug führen. Seine Eltern hatten ihm auferlegt, sich um seine Schwester zu kümmern, und diese schreibt in späteren Briefen, wie gut er dies gemacht und sich um den Proviant für sie gekümmert hat. Die Eltern blieben zurück in Wien und überlebten den Krieg und die Verfolgung der Nazis untergetaucht in wechselnden Unterkünften, ohne Papiere und in ständiger Angst, entdeckt zu werden.

Die Kinder brauchten für einen Platz im Kindertransport einen Sponsor, der £50 für sie zu zahlen bereit war. Ein gewisser Mr Haldinstein aus Norwich tat dies für Franz – aber er erschien nicht, um ihn am 12 Januar 1939 in der Liverpool Street Station abzuholen. Ein „großer Herr“ wartete auf Anna, um sie nach Brentwood in ein Kloster zu fahren. Sie verbrachte dort viele Jahre und wurde später selbst Nonne. Als Schwester Hedwig setzte die sich sehr für den christlich-jüdischen Dialog ein. Als einer der letzten Kinder auf dem Bahnsteig, wurde Franz in die Obhut des „Catholic Committee for Refugees“ genommen und fand für die nächsten Jahre ein Zuhause in Bankton House in Sussex. Es gelang Franz und Anna, sich gelegentlich zu besuchen und Weihnachten  miteinander zu verbringen.

Francis und seine Schwester Anna

Bis 1942 konnten sich die Kinder und Eltern Briefe durch das Rote Kreuz senden – bis zu 40 Worte per Brief. Nach einem knappen Entkommen vor der Gestapo im Mai 1942 mussten die Eltern jedoch vollkommen untertauchen und den Briefkontakt abbrechen – die Kinder gingen vom Schlimmsten aus. Anna schreibt: „Wir mussten uns mit dem Gedanken abfinden, dass wir vielleicht keine Eltern mehr hatten. Trotzdem beteten wir täglich für sie, denn irgendwie hatten wir ja doch noch Hoffnung.“ Erst Ende August 1945 kommt die erlösende Botschaft, dass die Eltern den Krieg und die Verfolgung überlebt haben. 1947 kommt es zu einem Wiedersehen in London. Es gibt leider keine genaue Statistik, aber es wird angenommen, dass nur die Hälfte der Kindertransport Kinder ihre Eltern wiedersahen.

Father Francis ist seit ihren Anfängen Mitglied der Kindertransport Gruppe, die später in die Association of Jewish Refugees integriert wurde. Er hat Vorträge in Schulen gehalten und sieht sich als vermittelnde Stimme zwischen Menschen jüdischer und nicht-jüdischer Herkunft. Er zweifelt, dass die Menschen jemals von der Vergangenheit lernen werden, aber glaubt fest daran, dass dem Glauben eine zentrale Rolle zufällt, Konflikte zu lösen.

So schreibt er: „Ich frage mich, ob wir wieder mehr die Religion in unsere Angelegenheiten einbeziehen müssen, denn alle Religionen streben Frieden, Harmonie und Verständnis an.  Wir sehen Religion manchmal als Quelle von Konflikten, aber ich frage mich, ob wir nicht zur Religion schauen sollten, um Konflikte zu lösen.“

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